Giacomo Girolamo Casanova
Casanova erblickt am 2. April 1725 in Venedig das Licht der Welt. In einem barocken Lehnstuhl haucht er am 4. Juni 1798 auf Schloss Dux im Königreich Böhmen seinen letzten Atemzug aus. Er war ein venezianischer Schriftsteller, Frauenverehrer, Rechtsanwalt, Glücksspieler, Philosoph, Abbé und Abenteurer der Barock- und Rokokozeit.
Casanova lernt in Rom Papst Benedikt XIV. kennen.
Casanovas Bücher – Zweimal Weltliteratur
1787 beendete er die Niederschrift der Histoire de ma fuite („Geschichte meiner Flucht“). Hier beschreibt er die Hintergründe seiner Inhaftierung am 26. Juli 1755 in Venedig und seiner Flucht aus den „Bleikammern“ des Dogen-Palastes.
Weltbekannt wurde er aber durch die Schilderungen seiner zahlreichen Liebschaften in seinem Hauptwerk mit dem Titel Histoire de ma vie („Geschichte meines Lebens“), das zur Weltliteratur zählt und in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurde. Sein aufgeschriebenes Leben beginnt er mit seiner Geburt und Abstammung und endet mit seinem 49. Lebensjahr im Jahr 1774. Sein Leben von 1775 bis zu seinem Lebensende war ihm wohl nicht wert, es aufzuschreiben.
„Nachdem er 1793 eine erste Fassung beendet hatte, widmete er sich bis zu seinem Tod am 4. Juni 1798 in Dux der Überarbeitung des Textes“ (vgl. Carina Lehnen in „Das Lob des Verführers“, 1995, S. 21 f).
Bedeutung der Memoiren
Seine Memoiren sind vor allem kulturhistorisch interessant, weil er nicht scheut, seine „Erfahrungen mit den Frauen“ sehr deutlich darzustellen. Er erwähnt die Mätresse neben der Marquise und neben der Magd. Insgesamt gedenkt er 116 Liebschaften in seiner Lebengeschichte, die er ab 1785 im Schloss des Grafen Waldstein in Dux schreibt. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die wirkliche Zahl an Liebschaften wesentlich höher lag. Seine Reisen führen ihn nach Korfu, durch die Schweiz, Frankreich, Spanien, England, Deutschland, Österreich, die Niederlande, Polen, das heutige Tschechien und Russland. Er kam in Kontakt mit bedeutenden Zeitgenossen aus Politik, Kunst und Wissenschaft. Vielen dieser Persönlichkeiten gedenkt er in seiner Lebensbeschreibung.
Der Schriftsteller Hermann Kesten (1900-1996) stellte in seinem Buch „Die Lust am Leben“ 1968 fest: „Das ganze 18. Jahrhundert tummelt sich in seinen Memoiren und lacht, und räsoniert, und hurt, in keinem anderen Buch ist es so lebendig, so deutlich, so zum Riechen, Fühlen, Schmecken nah.“
Manuskript von Casanovas Memoiren
Das Manuskript der Memoiren vererbte Casanova seinem Neffen Carlo Angiolini, der es 1820 dem Verlag F. A. Brockhaus in Leipzig anbot und schließlich 1821 verkaufte.
m Auftrag des Verlags übersetzte Wilhelm von Schütz das französische Original ins Deutsche. Bereits Ende des Jahres 1821 wurde der erste Band in deutscher Sprache veröffentlicht: Aus den Memoiren des Venetianers Jacob Casanova de Seingalt, oder sein Leben, wie er es zu Dux in Böhmen niederschrieb. Nach dem Original-Manuscript bearbeitet von Wilhelm Schütz. Weil dieser Band reißenden Absatz fand, gab der Verlag zwischen 1822 und 1828 eine zwölfbändige, gereinigte Ausgabe heraus, d.h. die erotischen Texte und Erläuterungen blieben weg.
Der Originaltext der Memoiren wurde erst 1960 erstmals durch den Verlag F. A. Brockhaus (Wiesbaden) veröffentlicht. Diese zwölfbändige Ausgabe wurde 1962 abgeschlossen und 1985 in 6 Bänden nachgedruckt. Von Günter und Barbara Albrecht kommentiert gab es 1992 (Verlagsort Leipzig) eine neue Auflage.
Erneuter Verkauf von Casanovas Memoiren-Manuskripts
Im Februar 2010 wurde das Manuskript vom französischen Staat für 7,2 Millionen Euro erworben. Das ist gleichzeitig der höchste jemals für ein Manuskript erzielte Preis. Unter der Leitung von Gérard Lahouati und Marie-Françoise Luna erschien von 2013 bis 2015 in Kooperation mit Furio Luccichenti, Alexandre Stroev und Helmut Watzlawik eine Neuedition in drei Bänden. Herausgeber ist der Verlag Éditions Gallimard in Paris.
Was versteht man heute unter einem „Casanova“?
Schon im 19. Jahrhundert tauchte die Figur „Casanova“ in künstlerischen Werken auf. Selbst W. A. Mozart verarbeitet im „Don Giovanni“ Elemente aus Casanovas Leben.
Als Herzensbrecher bezeichnet man heutzutage einen (jungen) Mann, der eine andere Person durch seine Reize und durch Schmeicheleien in sich verliebt macht, obwohl er keine ernsthaften Absichten hegt, sondern nur ein Liebesabenteuer, einen Flirt oder Ähnliches beabsichtigt. Späteren Kummer oder Herzeleid interessiert einen „Casanova“ oder „Playboy“ nicht.
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